MAGDALENA HOLZTRATTNER

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"Ich bin wieder hier, angekommen in meiner alten Heimat..."

 

WIEDER IN EL SALVADOR

MAGDALENA HOLZTRATTNER / APRIL 2015

H

eute ist erst der zweite Tag und ich bin schon so voller Bilder, Energien, Eindrücke. Obwohl ich in der Nacht noch viel zu kurz schlafe, bin ich unter Tags wach. Meine Seele nimmt alles auf, was wie Heimat in sie strömt. Das Hahnengeschrei am frühen Morgen, die sonore Stimme des Mannes, der Eis am Stiel verkaufen will, vom Fernseher der Nachbarin brauchte ich nur ab und zu ein Bild, um zu wissen, worum es sich beim Film handelt. Oder ist es doch eine Messe aus einer der vielen Messgemeinden unterschiedlichster freikirchlicher Provenienz rundherum? Oder doch ein Auto, das mit Lärm und pathetischer Musik auf irgendein Produkt am Sonntagmorgen werbewirksam auf sich aufmerksam machen will? Heute wird es wieder heiß – die Sonne scheint schon durch die geöffnete Haustür rein.

Ich bin wieder hier, angekommen in meiner alten Heimat. Geräusche, Gerüche sind mir bekannt, das Essen schmeckt, wie ich es mir erträumt habe – die Pupupas (gefüllte Maistortillas) genauso wie das desayuno típico (typisches Frühstück), das aus Bohnenpaste, Frischkäse, gebratenen Kochbananen, gerührtem Ei und Kaffee besteht. Das erkenne ich auch daran, dass sich meine Füße ganz selbstverständlich den Weg suchen über die Unebenheiten und Löcher des Gehsteigs. Und die immer noch allzu oft tiefschwarzen Auspuffgase der uralten Busse des öffentlichen Verkehrs, die mich nicht schrecken.

Die Sonne verbrennt meine Haut schneller, als ich es verhindern kann. Und die starken Wellen des Pazifiks wecken wieder das Kind in mir, das mit dieser Urgewalt spielen und kämpfen will.

Schließlich sind es auch die Stimmen und der vertraute spanische Lokalkolorit, der mich lächelnd durch die Straßen spazieren lässt. Ich kenne das alles gut. Ich habe immerhin fast drei Jahre in diesem Land gelebt.

 

Was ich fast nicht mehr kenne, sind die Jugendlichen im Stipendien- und Bildungsprogramm in Taquillo. Nach nun doch fünf Jahren sind viele der alten ausgeschieden. Ein paar, die nun auf der Uni studieren, lachen beim Wiedersehen. Die meisten aber sind neu. Ca. 35 Jugendliche sind es nun, die sich regelmäßig (2 Mal monatlich) zu den Gruppenstunden treffen, um über sich, das Leben, ihr Land und ihre Gruppe zu reflektieren. Um zu lernen, verantwortliche und kritische Erwachsene zu werden, sich in die Gruppe zu integrieren, eine eigene Meinung zu bilden und diese auch vor den Anderen auszudrücken - etwas, das in der salvadorianischen Gesellschaft weiterhin nicht normal ist. Zu viel wird in der Schule verlangt, dass die Jugendlichen das wiedergeben, was die LehrerInnen vorgeben – ohne es mit eigenen Kriterien prüfend zu hinterfragen. Zu sehr ist es nach wie vor normal, dass Männer – und damit Burschen -  das Sagen haben, während Frauen – und damit Mädchen – gehorchen, sich anpassen und das dulden, was Männer entscheiden und tun. Nicht zuletzt geht es auch darum, das politische und wirtschaftliche System des Landes in groben Zügen kennen zu lernen, um den eigenen Platz darin zu verstehen. Und auch über Herzensbildung und akademische Bildung einen Weg zu suchen, um für sich und die eigenen Familie eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

„Ayudar a mi familia – meiner Familie helfen – ist nun für die allermeisten Jugendlichen ein Ziel ihres Bildungsweges"

„Ayudar a mi familia“ – meiner Familie helfen – ist nun für die allermeisten Jugendlichen ein Ziel ihres Bildungsweges, der ihnen u.a. durch das Stipendienprogramm ermöglicht bzw. erleichtert wird. Bildung ist nach wie vor der Schlüssel, der Jugendliche aus dem Kontext materieller Armut befreien kann. Denn nur mit Matura oder Abitur kann eine junge Frau an der Kasse eines Supermarktes arbeiten. Matura erleichtert jungen Männern, eine Arbeit in einem Hotel zu erhalten. Bildung schließlich spielt auch eine Rolle dabei, wann und wie viele Kinder Frauen bekommen bzw. ob und wie Männer ihrer Verantwortung diesen Kindern gegenüber gerecht werden.

 

Verantwortung, Solidarität, Spaß, Lachen, Reflektieren, Organisieren, Ausflüge, Foto- oder Malerworkshops, partizipatives Erarbeiten verschiedenster Themen und immer auch ein Gebet prägen die Arbeit mit der Jugendgruppe in Taquillo.

Wieder, wenn auch nur kurz, in die Dynamik der Jugendgruppe von Taquillo einzutauchen, ist für mich – wie schon so oft in den Jahren meiner Arbeit in El Salvador – eine Freude, eine Herausforderung, eine Quelle von Energie und Lebendigkeit.

Wie dankbar bin ich, dass viele Menschen in Deutschland und Österreich diese Arbeit finanziell ermöglichen und dass nun 4 Gruppenverantwortliche vor Ort ihre Phantasie, Kompetenz und Energien für diese Jugendlichen einsetzen. Damit ein paar der vielen jungen Menschen dieses kleinen Landes in Zentralamerika mit geradem Rückgrat, freiem Herzen, einer akademischen Bildung, der Erfahrung von Gruppensolidarität und einem Lachen im Gesicht in eine hoffentlich bessere Zukunft gehen können.

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